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Incoterms und Zoll: wer anmeldet, wer zahlt und welcher Wert anzugeben ist

Aktualisiert am 14.09.2026

Der Incoterm auf der Rechnung regelt nicht nur, wie Transportkosten zwischen Verkäufer und Käufer verteilt werden. Er bestimmt auch, wer die Zollformalitäten erledigt, wer Einfuhrzölle und Einfuhrumsatzsteuer zahlt und welche Kosten für den Zollwert hinzugerechnet oder abgezogen werden. Ein falsch gewählter oder fehlender Incoterm führt häufig zu Verzögerungen und Bewertungsfehlern.

Was ist ein Incoterm?

Incoterms sind Regeln der Internationalen Handelskammer (ICC). Die aktuelle Fassung, Incoterms 2020, umfasst 11 Klauseln mit drei Buchstaben. Jede legt fest, wo die Ware geliefert wird, wann die Gefahr vom Verkäufer auf den Käufer übergeht und wer Transport, Versicherung und Zollformalitäten übernimmt.

Ein Incoterm wird immer mit einem Ort („FCA Stuttgart“ oder „CIF Hamburg“) und der Fassung („Incoterms 2020“) angegeben. Er regelt weder den Eigentumsübergang noch die Zahlung: Das ist Sache des Kaufvertrags.

Die 11 Incoterms 2020

  • EXW (ab Werk): Der Käufer übernimmt alles ab dem Gelände des Verkäufers, einschließlich der Ausfuhrabfertigung
  • FCA (frei Frachtführer): Der Verkäufer übergibt die zur Ausfuhr abgefertigte Ware dem vom Käufer benannten Frachtführer
  • CPT (frachtfrei): Der Verkäufer zahlt den Haupttransport bis zum vereinbarten Ort
  • CIP (frachtfrei versichert): wie CPT, mit Versicherung durch den Verkäufer
  • DAP (geliefert benannter Ort): Der Verkäufer liefert an den Bestimmungsort, Ware nicht entladen und nicht zur Einfuhr abgefertigt
  • DPU (geliefert benannter Ort entladen): wie DAP, aber der Verkäufer entlädt die Ware
  • DDP (geliefert verzollt): Der Verkäufer übernimmt alles, einschließlich Einfuhrabfertigung, Zöllen und Einfuhrumsatzsteuer
  • FAS (frei Längsseite Schiff): Seefracht, Lieferung längsseits des Schiffes im Verschiffungshafen
  • FOB (frei an Bord): Seefracht, Lieferung an Bord des Schiffes im Verschiffungshafen
  • CFR (Kosten und Fracht): Seefracht, der Verkäufer zahlt die Fracht bis zum Bestimmungshafen
  • CIF (Kosten, Versicherung und Fracht): Seefracht, wie CFR mit Versicherung durch den Verkäufer

Wer erledigt die Zollformalitäten?

Bei allen Incoterms außer EXW erledigt der Verkäufer die Ausfuhrformalitäten. Bei allen außer DDP erledigt der Käufer die Einfuhrformalitäten und zahlt Zölle und Einfuhrumsatzsteuer.

Beide Extreme sind in der Praxis problematisch. Bei EXW muss ein ausländischer Käufer die Ausfuhr in einem Land abwickeln, in dem er nicht ansässig ist – der Verkäufer kann dann Schwierigkeiten haben, den Ausgang der Ware und damit die Steuerbefreiung nachzuweisen. FCA ist meist die bessere Wahl. Bei DDP muss der Verkäufer die Einfuhr im Land des Käufers abwickeln: Er braucht eine EU-EORI-Nummer, oft einen Vertreter, und kann die gezahlte Einfuhrumsatzsteuer unter Umständen nicht zurückerhalten.

Wie der Incoterm den Zollwert verändert

In der Europäischen Union umfasst der Zollwert die Beförderungs- und Versicherungskosten bis zum Ort des Verbringens in die EU. Der Rechnungspreis ist daher je nach Incoterm anzupassen:

  • EXW, FCA, FAS, FOB: Transport und Versicherung bis zur EU-Grenze sind nicht im Preis enthalten und müssen hinzugerechnet werden
  • CFR, CPT: Die Fracht ist enthalten, eine etwaige Versicherung muss hinzugerechnet werden
  • CIF, CIP: Fracht und Versicherung bis zum vereinbarten Ort sind enthalten; liegt dieser jenseits der EU-Grenze, können die Beförderungskosten nach dem Verbringen abgezogen werden, wenn sie getrennt ausgewiesen sind
  • DAP, DPU, DDP: Der Preis enthält den Transport nach dem Verbringen in die EU (abziehbar, wenn getrennt ausgewiesen) und bei DDP Einfuhrzölle und Einfuhrumsatzsteuer, die nicht zum Zollwert gehören

Häufige Fehler

  • Rechnung ohne Incoterm oder Ort: Zoll und Spediteur können nicht erkennen, welche Kosten enthalten sind
  • FOB oder CIF für Luft- oder Straßentransport, obwohl diese Klauseln der See- und Binnenschifffahrt vorbehalten sind
  • Den EXW- oder FOB-Preis anmelden, ohne Fracht und Versicherung bis zur Grenze hinzuzurechnen
  • DDP verkaufen ohne EORI-Nummer oder Vertreter im Einfuhrland
  • Unterschiedliche Incoterms auf Rechnung, Vertrag und Speditionsauftrag

Häufige Fragen

Gelten die Incoterms 2010 noch?

Ja, wenn die Parteien sie ausdrücklich vereinbaren: Eine ältere Fassung kann weiter verwendet werden. Geben Sie immer die Fassung an, z. B. „Incoterms 2020“, um Unklarheiten zu vermeiden.

Welchen Incoterm sollte ich für Ausfuhren außerhalb der EU wählen?

FCA ist für den Verkäufer oft am sichersten: Er behält die Kontrolle über die Ausfuhrabfertigung und den Ausgangsnachweis, ohne die Einfuhrformalitäten im Land des Käufers zu übernehmen.

Wer zahlt die Einfuhrumsatzsteuer?

Der Importeur, also bei allen Incoterms außer DDP der Käufer. Bei DDP zahlt der Verkäufer und muss prüfen, ob er sie zurückerhalten kann.

Ist der Incoterm in der Zollanmeldung Pflicht?

Die Lieferbedingung gehört zu den Daten einer EU-Einfuhranmeldung. Sie muss mit der Rechnung übereinstimmen und dient der Prüfung des angemeldeten Werts.

Kann FOB für Luftfracht verwendet werden?

Nein. FAS, FOB, CFR und CIF sind der See- und Binnenschifffahrt vorbehalten. Für Luft- oder Straßentransport verwenden Sie FCA, CPT oder CIP.

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